TÜV Rheinland zu 60 Millionen Schadenersatz verurteilt


TÜV Rheinland zu 60 Millionen Schadenersatz verurteilt

Der TÜV Rheinland ist im Skandal um fehlerhafte Brustimplantate in Frankreich zur Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 60 Millionen Euro verurteilt worden. Das Handelsgericht im südfranzösischen Toulon warf dem TÜV am Freitag unzureichende Kontrollen vor und sprach rund 20.000 Klägerinnen je 3000 Euro zu.

Der Tüv hatte mit billigem Industriesilikon gefüllte Implantate des französischen Herstellers PIP zertifiziert.

Im Juli 2015 urteilten die Richter dort in zweiter Instanz, dass der TÜV seine Kontrollpflichten erfüllt und "keinen Fehler" begangen habe.

TÜV-Anwältin Cécile Derycke kritisierte das Urteil dagegen scharf: "Das Handelsgericht Toulon verkennt und ignoriert die eindeutigen Feststellungen des Berufungsgerichts (von Aix-en-Provence) in diesem Fall", wonach der TÜV seine Aufgaben "verantwortungsvoll und im Einklang mit allen geltenden Gesetzen und Normen wahrgenommen" habe. Der TÜV Rheinland argumentierte, er habe nur das Qualitätssicherungssystem des Unternehmens überprüft, nicht das Produkt selbst.

Der Skandal um die mittlerweile insolvente PIP war 2010 bekannt geworden: PIP hatte seine Brustimplantate statt mit Spezialsilikon mit billigerem Industriesilikon befüllt.

Schwerer Rückschlag für den TÜV Rheinland: Die französische Justiz verurteilt die deutschen Qualitätsprüfer wegen schadhafter Brustimplantate erneut zur Zahlung von Schadenersatz. Allein in Frankreich ließen sich daraufhin mehr als 18 000 Frauen auf Anraten von Behörden die Implantate herausoperieren, in Deutschland waren Schätzungen zufolge ebenfalls Tausende Frauen betroffen. Auch mehreren ausländischen Kliniken und Vertreibern sprach das Gericht Schadenersatz zu. Tatsächlich wurde PIP-Gründer Jean-Claude Mas in zwei Prozessen des Betrugs an den betroffenen Frauen und am TÜV schuldig gesprochen. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Es wurden bereits elf Millionen Euro Schadenersatz gezahlt. "Vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, die Zahlung vorläufiger Beträge zuzusprechen und das Urteil für vorläufig vollstreckbar zu erklären".

Der TÜV kündigte Berufung an.

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