Bad Aibling: Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleister


Bad Aibling: Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleister

Die Verteidiger forderten eine Bewährungsstrafe für den Angeklagten.

Der 40-jährige Fahrdienstleiter, durch dessen Fehler am 9. Februar 2016 zwölf Menschen auf der eingleisigen Mangfallstrecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen bei Bad Aibling bei der Kollision zweier Regionalzüge bei Bad Aibling ihr Leben verloren und 89 verletzt wurden, war an dem Unglücksmorgen durch ein Computerspiel auf dem kleinen Bildschirm seines privaten Smartphones abgelenkt. Nach Überzeugung der Anklagebehörde ist der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung in vollem Umfang schuldig.

Der Anklagevertreter hielt dem Fahrdienstleiter eine ganze Kette von Fehlentscheidungen bei der Arbeit im Stellwerk vor.

Vor allem rügte Branz das verbotene Handyspielen des Angeklagten bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar: "Letztlich liegt hier der Grund für die Fehlhandlungen des Angeklagten". Ein technischer Fehler scheide aus. Sie plädierte auf eine Bewährungsstrafe oder im Fall einer Haftstrafe maximal zweieinhalb Jahre Haft. Zwar sei der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung schuldig, sagten beide Anwälte am Freitag in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Traunstein. Der Prozess habe nicht zweifelsfrei ergeben, dass das verbotene Spielen Ursache der Fehlerkette des Angeklagten ist, so Ulrike Thole und Thilo Pfordte übereinstimmend.

Das Urteil soll am Montag verkündet werden. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre. Zudem halten sie es nicht für sicher, dass bei einem korrekt abgesetzten Notruf der Zusammenstoß noch verhindert worden wäre. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. In den Wochen vor dem Unglück habe der Angeklagte das Fantasyspiel immer öfter und länger gespielt. Die Bahn muss dies nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun. Vorsitzender Richter Erich Fuchs meinte: „Ein Denkfehler setzt sich fort – kann das die Folge der Konzentration auf das Spiel gewesen sein?“ Das bejahte der Sachverständige, ebenfalls, ob es während und nach Spielehandlungen zu Beeinträchtigungen kommen könne.

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