EU-Kommission Geplante 90-Tage-Beschränkung beim Roaming gekippt


EU-Kommission Geplante 90-Tage-Beschränkung beim Roaming gekippt

Im Juni 2017 sollten die Roaming-Gebühren im EU-Ausland nach mehreren Jahren der Verzögerung abgeschafft werden. Überschreitet ein Anwender die 90 Tage, sollen die Provider Gebühren von maximal vier Cent pro Minute, einem Cent pro SMS und 0,85 Cent pro MByte erheben dürfen. Und jetzt? Nur vier Tage nach Bekanntwerden der 90-Tage-Pläne der EU und heftiger Kritik heißt es nun jedenfalls reumütig: Vorschlag ungenügend, wir machen einen neuen. "Die Kommissionsdienststellen haben auf Anordnung von Präsident (Jean-Claude) Juncker den Entwurf zurückgezogen und arbeiten an einer neuen Version", teilte die EU-Kommission am Freitag mit. Ursprünglich war angekündigt worden, dass die Gebühren in der Europäischen Union ab Mitte 2017 ganz entfallen.

Abgeordnete des Europaparlaments reagierten erfreut - aus ihren Reihen hatte es viel Kritik gegeben.

Die Kommission hatte ihre Pläne vor allem damit gerechtfertigt, dass sie die Telefonanbieter vor Missbrauch durch die Kunden schützen wollte.

"Roaming" ist der englische Ausdruck für "Umherwandern". Ist das Kontingent von drei Monaten verbraucht, könnten die Telekom-Anbieter auch weiterhin satte Aufschläge berechnen. Seit 2007 seien die Roaming-Preise um 90 Prozent gefallen.

Die Kommission muss nun liefern und sagen, wie sie die bereits verabschiedete Verordnung einhalten, aber gleichzeitig den Verbrauchern geben will, was man der Öffentlichkeit jahrelang versprochen hat. Denn man könnte sich einfach im EU-Land mit den günstigsten Preisen eine Sim-Karte besorgen und in teuren Ländern auf Dauer damit telefonieren.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen lässt das nicht gelten und befürchtet vielmehr eine Einschränkung des Wettbewerbs. "Das eröffnet eine neue Chance, Roaming in Europa endgültig abzuschaffen", meinte der Grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon in einer Aussendung. Am 15. Dezember dieses Jahres soll eine endgültige Entscheidung über das weitere Verfahren mit dem Wegfall der Roaming-Gebühren auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt gefällt werden. Befragt, welche Änderungen bei den 90 Tagen vorgeschlagen werden, ob es vielleicht weniger oder mehr Tage sein könnten, winkte der Kommissionssprecher ab. Längere Auslandsaufenthalte ohne Zusatzkosten sind aber wohl nicht drin, denn nach 30 Tagen sollen Betreiber ein Einwählen im Heimatnetz verlangen können.

Die EU-Kommission verteidigte die Pläne am Dienstag.

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